.... zum Alphorn

(Quelle: Wikipedia)

Die Behauptung, dass Hirten früher ihre Hörner vorwiegend als Signalhörner benutzten, ist falsch.* Die Ortung des Horns wäre in einem mit Bergen umgebenen Gebiet beinahe unmöglich, da der Schall von den Wänden reflektiert werden würde. Der Schall wäre somit mehrfach und von verschiedenen Seiten hörbar (Echo).

Heute gibt es einige spezialisierte Instrumentenbauer, die aus geeigneten Holzstämmen ein Alphorn herstellen. Seine seltsame, unten abgebogene Form rührt von der am Hang und somit krumm gewachsenen Fichte her, die geschält und der Länge nach halbiert wird. Das anschließende Aushöhlen der beiden Hälften auf eine Wanddicke von einem halben Zentimeter ist eine über siebzig Stunden dauernde Handarbeit. Eine anschließende Umwicklung aus Peddigrohr (früher Rindenblätter, Holzstreifen oder Wurzeln) dient als Wetterschutz und ein hölzernes Kesselmundstück als Erleichterung beim Blasen. Der Preis für ein solches Instrument liegt bei etwa 1.000 bis 2.500 Euro (Stand: 2003). Folgende Stimmungen werden heute gebaut:
In der Schweiz ist das Fis/Ges-Alphorn am weitesten verbreitet, in Deutschland das F-Alphorn. In der üblichen Ausführung kann man Alphörner heute in zwei oder drei Teile zerlegen.
Das bisher längste Alphorn mit einer Länge von 46 Metern wurde 1994 von der Fa. Stocker, Kriens gebaut. Das Instrument steht auf dem Grundton B, sein tiefster Ton ist das B5. Daher liegen die drei tiefsten Töne (B5, B4, F3) und für die meisten Menschen auch der vierttiefste Ton (B3) unterhalb der Hörbarkeitsgrenze.
Heute werden vereinzelt Alphörner aus Glasfasern, Carbonfasern oder Acrylglas gefertigt, sie sind nicht mehr als ein knappes Kilogramm schwer und kosten ca. 2.500 Euro. Klanglich ist solch ein modernes Alphorn den Holzhörnern deutlich unterlegen.** Versuchsweise wurden auch Instrumente mit Klappen oder einer Ventilmaschine (Wirkung der Ventile wie bei einer Trompete) gebaut, um den Tonumfang auf eine diatonische Tonleiter (Klappen) oder eine chromatische Tonleiter (Ventilmaschine) zu erweitern [1].
Das Alphorn war im 18. Jahrhundert fast schon in Vergessenheit geraten, da die verarmten musizierenden Hirten in den Städten es im 17. Jahrhundert in Verruf gebracht und es als das Bettelhorn verspottet wurde. Doch die Romantik und die Touristen in den Schweizer Alpen (zuerst waren es vor allem die Engländer) brachten im 19. Jahrhundert die Folklore und auch das Alphorn zum Blühen. Heute gilt in der Schweiz das Alphorn und das Schweizer Taschenmesser neben Käse, Schokolade und Edelweiss als das Nationalsymbol. Die ersten Hirtenfeste (Unspunnenfeste) mit Alphorn-Musik fanden 1805 und 1808 statt. Derzeit zählt der Schweizer Jodlerverband allein an die 1800 organisierte Alphornbläser in der Schweiz und in der ganzen Welt zu seinen Mitgliedern – Tendenz steigend. ***




Stimmung (Grundton) Länge tiefster Ton

Es                             4,05 m        Es1
E                              3,89 m         E1
F                              3,68 m         F1
Fis/Ges                      3,47 m         Fis1/Ges1
G                              3,27 m        G1
Gis/As                        3,09 m        Gis1/As1
B                              2,75 m         B1
C                              2,45 m         C

Anmerkung der Redaktion:
Eine solche Art von "Geräuscherzeugung" ist in vielen Ländern geschichtlich nachgewiesen. Sogar in der Südsee wurden von Insel zu Insel, zwar mit Muscheln, aber auf dieser Art Signale übertragen. Nicht nur denkbar sondern auch naheliegend ist eine Nutzung dieser "akustischen Geräte" zur Verständigung in den Bergen. Dort ist eine große Tragweite der Klänge immer wieder festzustellen. Eben das ist es ja auch was die Alphörner in den Bergen angenehm klingend macht.

PS. Beim Handy weiß man auch nicht aus welcher Richtung der Anruf kommt. Es geht um den Inhalt der Information.

**  Das stimmt nur bedingt. In der Stimmung F ist das Alphorn keineswegs unterlegen, jedoch bei anderen Stimmungen müssen Abstriche gemacht werden, die aber unwesentlich sind. Ein klarer Vorteil liegt im Transport und in der Lagerung. Karbonhörner sind sehr viel leichter als Holzhörner, können problemlos transportiert werden und müssen nicht so extrem gepflegt werden wie Holz. Durch die traditionelle Brille betrachtet, liegt das Karbonhorn weit hinter dem Holzhorn. Die Entscheidung ob Karbon oder Holz muss halt der Nutzung angepasst werden.

***  Nicht nur in der Schweiz erfreut sich diese schöne Tradition immer größerer Beliebtheit. Auch in dem Rest der Welt hört man es sehr gerne und es gibt immer mehr Menschen, die dieses Instrument kennen lernen wollen. Zweifellos klingt es in den Bergen am Schönsten.

Also, "Wer hat's erfunden?"          

In diesem Fall, nicht die Schweizer. Aber sie prägen die Tradition maßgeblich.

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Wenn Sie mehr wissen wollen, sehr interessante Beiträge finden Sie auf den Seiten von

Hans-Jürg Sommer

  www.alphornmusik.ch